von und mit der großen und kleinen Eisenbahn – MONOCAB – Neue Wege für stillgelegte Bahnstrecken am 14.07. um 16.00 Uhr und die Wiederholung am Samstag um 11.00 Uhr
MONOCAB – Neue Wege für stillgelegte Bahnstrecken
Magazin mit Eisenbahnthemen bei Radio Slubfurt
Wie kann der öffentliche Verkehr in ländlichen Regionen verbessert werden, wenn sich die Wiederinbetriebnahme einer klassischen Eisenbahnstrecke wirtschaftlich nicht lohnt? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt MONOCAB aus Ostwestfalen-Lippe.
Gerade in dünn besiedelten Gebieten stehen viele ehemalige Bahnstrecken vor einem grundlegenden Problem: Für einen regulären Zugverkehr gibt es häufig nicht genügend Fahrgäste. Gleichzeitig fehlen attraktive Alternativen zum eigenen Auto. Eine klassische Reaktivierung mit großen Triebwagen, festen Fahrplänen und umfangreicher Infrastruktur wäre auf manchen Strecken zu aufwendig und zu teuer.
Das MONOCAB-Konzept verfolgt deshalb einen vollkommen neuen Ansatz. Statt langer Züge sollen kleine, autonom fahrende Kabinen auf vorhandenen Eisenbahngleisen unterwegs sein. Das Prinzip erinnert an eine Seilbahn: Mehrere Fahrzeuge bewegen sich fortlaufend auf einer Strecke und stehen den Fahrgästen möglichst bedarfsgerecht zur Verfügung.
Kleine Kabinen statt großer Züge
Die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge nutzen jeweils nur eine Schiene des vorhandenen Gleises. Durch ein technisches System zur Stabilisierung sollen die Kabinen während der Fahrt sicher im Gleichgewicht gehalten werden. Da die Fahrzeuge unterschiedliche Schienen eines Gleises benutzen können, sollen sie sich auf derselben Strecke begegnen können.
Dadurch könnte auch auf einer eingleisigen Bahnstrecke Verkehr in beide Richtungen angeboten werden, ohne überall zusätzliche Ausweichstellen oder ein zweites Gleis bauen zu müssen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Konzepts ist der bedarfsgesteuerte Betrieb. Fahrgäste könnten zukünftig über eine App mitteilen, wann und an welchem Haltepunkt sie ein Fahrzeug benötigen. Die Kabinen würden damit nicht ausschließlich nach einem festen Fahrplan fahren, sondern sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Mobilität auf Bestellung
MONOCAB könnte insbesondere für ehemalige Nebenbahnen interessant sein, auf denen ein herkömmlicher Zugbetrieb nicht ausreichend ausgelastet wäre. Kleine Fahrzeuge, automatisierter Betrieb und flexible Haltepunkte könnten dazu beitragen, die Kosten zu senken und trotzdem ein öffentliches Verkehrsangebot bereitzustellen.
Das Projekt verbindet damit historische Eisenbahninfrastruktur mit moderner Fahrzeugtechnik, digitaler Buchung und autonomem Fahren. Noch handelt es sich jedoch um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Bis zu einem regulären Einsatz im öffentlichen Personenverkehr müssen zahlreiche technische, rechtliche und betriebliche Fragen geklärt werden.
In dieser Sendung sprechen wir über den aktuellen Entwicklungsstand des MONOCAB-Systems. Wir schauen uns die bisherigen Testfahrzeuge und Testfahrten an und fragen, welche technischen Herausforderungen noch bewältigt werden müssen. Außerdem geht es darum, wie weit das Projekt von einer möglichen Serienreife entfernt ist und unter welchen Bedingungen MONOCAB eines Tages auf stillgelegten oder nur noch selten genutzten Bahnstrecken eingesetzt werden könnte.
Gesprächspartner
Unser Gesprächspartner ist Thorsten Försterling von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Er erläutert die Idee hinter dem Projekt, berichtet über die Entwicklung der Fahrzeuge und gibt einen Einblick in die bisherigen Erfahrungen mit dem System.
Eine Sendung über innovative Mobilitätskonzepte, die Zukunft ländlicher Bahnstrecken und die Frage, ob kleine autonome Kabinen eines Tages eine Alternative zum klassischen Regionalzug sein können.
Podcast der Sendung
Die Sendung kann als Podcast nachgehört werden: